Google Lab

Google verwandelt sich in Cyberdyne Systems

von horchposten am 27. Januar 2014 in Allgemein

Google hat das britische StartUp DeepMind-Technologies gekauft. Klingt wie eine normale Firmenübernahme – wenn da nicht deren Geschäftsfeld wäre: Künstliche Intelligenz!

Zwar ist noch nicht bekannt, in welchem Geschäftsbereich Google die KI-Algorithmen von DeepMind einsetzen will, doch unter Googles früheren Firmenkäufen könnte der Roboterhersteller Boston Dynamics ein möglicher Technologiepartner zu sein. Zukünftig könnten autonome Google-Roboter dann in der Pflege, in Lagerhallen und als Paketzusteller arbeiten … oder auch beim US-Militär. Klingt gruselig, denn mit dieser Firmenübernahme scheint sich Google tatsächlich in Cyberdyne Systems zu verwandeln. Filmfans kennen Cyberdyne bestimmt aus James Camerons Terminator-Film. Auch dort wird mit Hilfe von „artificial intelligence“ an Militärtechnik gearbeitet – und letztlich Skynet und die Terminatoren erschaffen.

Künstliche Intellligenz. Quantencomputer. Roboter. Das kennen wir doch schon irgendwoher...

Künstliche Intellligenz. Quantencomputer. Roboter. Das kennen wir doch schon irgendwoher. (Screenshot: T3 Screensaver)

Klingt überdreht? Nun – vor einem Monat klang es auch nach Science-Fiction, dass man eines Tages die Welt mit den Augen eines Terminators sehen könnte. Dann präsentierte Babak Parviz die elektronische Google-Kontaktlinse. Diese HighTech-Kontaktlinse soll zunächst nur medizinische Daten aus der Tränenflüssigkeit auslesen, später werden die Linsen wohl auch die Uhrzeit oder die Geschwindigkeit unseres Autos einblenden. Vorbild für diese Technik ist tatsächlich der Terminator – das erklärte der heutige Google Mitarbeiter Praviz einst der Presse, als er noch Professor für Elektrotechnik an der University of Washington war. Auch das Pentagon hat schon vor Jahren sein Interesse an dieser Linsentechnik gezeigt – und die Militärs werden bestimmt nicht an eine zivile Nutzung gedacht haben.

Zwar distanziert sich Google von Meldungen, in denen dem Internet-Konzern unterstellt wird, dass man sich in ein Rüstungsunternehmen verwandelt – jedoch hat Google die alten Verträge zwischen Boston Dynamics und dem US-Militär nicht gekündigt. Ein Großteil seiner Fördermittel kassierte Boston Dynamics außerdem von der Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa), der Forschungsabteilung des Pentagons.

Laut dem Journalisten Nicola Jones haben Google und die NASA außerdem im letzten Jahr von der kanadischen Firma D-Wave einen 512-Qubit-Quantencomputer für ein „Artificial Intelligence Lab“ gekauft. Im Nature Magazin und bei Scientific American erklärte Jones, dass dieser Computer für „language translation, image searches and voice-command recognition“ eingesetzt werden soll – aber halt auch für „machine learning“.

Von den Google-Forschern soll dieser Quantencomputer auch schon bei der Entwicklung von Google Glass genutzt worden sein – um beispielsweise unterschiedliche Arten des Blinzelns zu analysieren. Bis Ende 2014 will D-Wave bereits die nächste Computergeneration mit 2048 Qubits (!) entwickeln – und Google soll bereits Interesse signalisiert haben. Zu den Investoren bei D-Wave gehören u.a. der Amazon-Gründer Jeff Bezos und – die CIA.

Schaut man sich jetzt also Googles letzte Firmenübernahme an, dann dürfte der Konzern mit den KI-Algorithmen von DeepMind tatsächlich an der Entwicklung eines Quantencomputers mit künstlicher Intelligenz arbeiten. Klingt ernsthaft nach Cyberdyne Systems und Skynet…

Ach ja – bevor im letzten Jahrhundert überhaupt jemand an die Gründung der Firma Google dachte, da hatte der visionäre SciFi-Schriftsteller William Gibson in seinen Büchern bereits den „Cyberspace“ und die „Matrix“ erfunden. Doch im 21. Jahrhundert erklärte Gibson in Interviews immer wieder frustiert, dass es für ihn unmöglich geworden sei, noch über die Zukunft zu schreiben. Er selbst schreibe keine SciFi-Bücher, sondern nur noch über die Gegenwart. Noch Fragen?

 

Hinweis: Wer mehr darüber wissen will, wie man auf einem Quantencomputer programmiert, der sollte sich im Developer-Bereich von D-Wave die Tutorials ansehen.

„Mastering quantum computer programming is quite a challenge. It’s unlike any other type of programming out there.“

Offene Stellen gibt es bei D-Wave zur Zeit in den Bereichen Hardware Engineering, Processor Development und Application Development.

 

Die Entwickler des Forschungslabors Google X präsentieren der Welt ihren neuesten Geniestreich: die Google Kontaktlinse! Während die Konkurrenz noch an einer Alternative zur Google Brille bastelt, da haben die Google Entwickler mit ihrer intelligenten Kontaktlinse die Miniaturisierung bereits auf die Spitze getrieben. Diese Google Kontaktlinsen sollen ein Frühwarnsystem für Diabetiker werde und das ständige Messen des Zuckerspiegels überflüssig machen. Die Linse kann den Zuckersspiegel über die Tränenflüssigkeit ermitteln und sendet die Daten dann an eine Smartphone-App.

Das könnte eine enorme Erleichterung für Millionen Diabetiker werden, denn bisher ist die Zuckerkontrolle ein wahrer Full-Time-Job. Zur Google Kontaktlinse erklären Project Leader Brian Otis und Babak Parviz im offiziellen Google Blog folgendes:

„We’re now testing a smart contact lens that’s built to measure glucose levels in tears using a tiny wireless chip and miniaturized glucose sensor that are embedded between two layers of soft contact lens material. We’re testing prototypes that can generate a reading once per second. We’re also investigating the potential for this to serve as an early warning for the wearer, so we’re exploring integrating tiny LED lights that could light up to indicate that glucose levels have crossed above or below certain thresholds.“

Letztlich sollen die Sensoren dünner als ein menschliches Haar sein und der Chip wie ein kleines Glitzerteilchen aussehen. Aufnahmen eines ersten Linsen-Prototypen hat Google bereits veröffentlicht.

Google Kontaktlinse

Google Kontaktlinse Prototyp

 

Schaut man sich diese Google Kontaktlinse mal in einer Großaufnahme an, dann sind der Glukosesensor und der Funkchip deutlich zu erkennen. Und die LED-Lichter? Schwer zu sagen, ob hier die miniaturisierten LEDs bereits integriert sind. Was meint Ihr?

Google Kontaktlinse in Großaufnahme

Google Kontaktlinse in Großaufnahme

Zwar betonen Brian Otis und Babak Parviz, dass Google mit der Entwicklung dieser Technologie noch ganz am Anfang steht, trotzdem sollen schon mehrere klinische Studien durchgeführt worden sein. Da dürfte die Konkurrenz aufhorchen, denn nach einem ersten Linsen-Prototyp klingt das nicht mehr. Außerdem: Mit solchen Google Kontaktlinsen sind ja noch ganz andere Anwendungsmöglichkeiten denkbar.

Wir sind gespannt, was Google X in Zukunft wohl noch alles präsentieren wird. Einen kleinen Ausblick bietet folgendes YouTube-Video aus dem Jahr 2012. Hier erklärt Babak Parviz, damals noch Associate Professor of Innovation an der University of Washington, was in Sachen Healthcare und Body Monitoring so alles möglich sein könnte – wenn man diese Technik in Kontaktlinsen integriert! Jetzt macht sich Parviz bei Google offensichtlich an die Realisierung seiner Ideen.