Social Media

Im amerikanischen Fernsehen hat das Football-Finale, der sogenannte Super Bowl, die höchsten Zuschauerzahlen. Werbeplätze sind daher begehrt und die Werbeclips häufig grandios. Der Kamerahersteller GoPro hat in diesem Jahr bei seiner SuperBowl-Werbung auf den Fallschirmspringer Felix Baumgartner und seinen Sprung aus der Stratosphärensprung gesetzt. Parallel zum kurzen Werbclip hat GoPro bei YouTube ein weiteres Video veröffentlicht, das Baumgartners-Sprung auch aus der Ego-Perspektive zeigt:

“October 14, 2012, Felix Baumgartner ascended more than 24 miles above Earth’s surface to the edge of space in a stratospheric balloon. Millions across the globe watched as he opened the door of the capsule, stepped off the platform, and broke the speed of sound while free falling safely back to Earth. Felix set three world records that day—and inspired us all to reach beyond the limits of our own realities, and reimagine our potential to achieve the incredible. GoPro was honored to be a part of this epic achievement, with seven HERO2 cameras documenting every moment. From the airless freeze of outer space, to the record-breaking free fall and momentous return to ground—see it all through Felix’s eyes as captured by GoPro, and experience this incredible mission like never before. No one gets you closer than this.”

Wahnsinn – man spürt regelrecht das Herzrasen und die Adrenalinschübe. Einige Zahlen und Fakten zum Stratos-Sprung findet ihr außerdem hier.

 

Die ARD, der Shitstorm und das Silvester-Programm

von horchposten am 31. Dezember 2012 in Allgemein

Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland erlebte mal wieder einen Shitstorm. Behauptet zumindest die ARD – nachdem sie kritische Beiträge löschte und sich anschließend über wütende Reaktionen wunderte. Auslöser war Jörg Schönenborns Kommentar zur Kritik am neuen Rundfunkbeitrag. Reichlich dünnhäutig erklärte der WDR-Chefredakteur in seinem Kommentar, dass man als ARD-Mitarbeiter nach der Lektüre von Medienseiten beinahe zu Anti-Depressiva greifen möchte. Schönenborns simple Sicht: Mit der TV-Wirklichkeit hat die Kritik wenig zu tun. Um dann noch nachzulegen: “Viele Artikel funktionieren nach dem Motto: Ich nehme mir meine These und mache die Welt einfach passend”. Da wollen wir uns natürlich nicht einreihen und greifen einfach mal eine von Schönenborns eigenen Thesen auf:

“Der vom Bundesverfassungsgericht geprägte Begriff der Grundversorgung ist aktueller denn je. Zu dieser Grundversorgung gehört auch kulturelle Breite gerade in den Sparten, für die sich wenige interessieren. (…) All das stellt der Rundfunkbeitrag langfristig sicher. Das ist kein Freifahrschein – im Gegenteil. Wir werden mehr Rechenschaft ablegen müssen darüber, wie wir mit unserem Geld umgehen.”

Nun – auch die Grundversorgung mit dem TV-Klassiker “Dinner for One” auf diversen öffentlich-rechtlichen TV-Sendern sichergestellt. Allerdings noch mit GEZ-Gebühren. Für Silvester 2012 haben wir mal die Sendezeiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz herausgesucht:

11:35 Uhr – Das Erste
17:30
Uhr – HR (Hessische Version)
17:40
Uhr – NDR
18:00
Uhr – WDR
18:40
Uhr – HR (Hessische Version)
18:55
Uhr – Das Erste
19:00
Uhr – BR
19:00
Uhr – MDR
19:05
Uhr – rbb
19:05
Uhr – SF1 (Schweizer Version)
19:10
Uhr – HR
19:25
Uhr – SWR
19:40
Uhr – NDR
21:30
Uhr – WDR
23:30
Uhr – ORF 1
00:05
Uhr – BR

Ein Butler, eine Lady, ein Tigerfell und reichlich Alkohol auf allen Kanälen – zumindest die deutschen Fans von “Dinner for One” sind auch Silvester 2012 mehr als grundversorgt. Tatsächlich ist der 90. Geburtstag der alten Dame sogar die am häufigsten wiederholte Sendung der deutschen Fernsehgeschichte. Dazu kommt noch das Internetangebot des NDR. Der bietet eine Sonderseite, damit auch wirklich jeder zu jeder Zeit “Dinner for One” gucken kann. Ist das die Art von Grundversorgung und die kulturelle Breite, die Jörg Schönenborn meinte?

Offensichtlich kann man nicht nur Rundfunkbeiträge, sondern auch Sendezeit verschwenden. Wenn unser Geld solche Programmplanung langfristig sicherstellt, dann müssen vor allem wir Zuschauer zu Anti-Depressiva greifen. Oder wir verlangen nächstes Jahr auf den Internetseiten der ARD tatsächlich mal “Rechenschaft” darüber, wie mit den neuen Rundfunkbeiträgen umgegangen wird.

Wohl auch deswegen hat die ARD-Programmdirektion für die “Abteilung Zuschauerredaktion” die Stelle eines Social Media Managers ausgeschrieben. Es soll Facebook, Twitter und Google+ betreuen und mit seiner Kommunikationskompetenz die Rückmeldungen der Zuschauer moderieren, Diskussionsbeiträge liefern und Fragen beantworten. Natürlich wird er auch die Social-Media-Aktivitäten der ARD weiterentwickeln und sogenannte Social-Media-Kampagnen konzipieren und durchführen. Und dieser Social-Media-Tausendsassa soll das alles zusätzlich auch für einzelne TV-Sendungen und Serien machen. Ein echter Vollzeit-Job … allerdings nur in freier Mitarbeit.

Ein einziger Mann als freier Mitarbeiter für diesen Stress-Job? Man muß sich am Silvesterabend nicht im Bleigießen versuchen um für nächstes Jahr zu prognostizieren, dass die ARD mit dem Internet und dem “Rechenschaft ablegen” wieder hoffnungslos überfordert sein wird. Auch 2013 wird man bei der ARD die kritischen “Rückmeldungen” der Zuschauer und Zuhörer erneut als Shitstorm abtun. Wie war das noch: “The same procedure as last year, Miss Sophie?” – “The same procedure as every year, James”.

UPDATE: Kaum hat das neue Jahr begonnen, schon wird die ARD wieder kritisiert – diesmal von den Klassik-Freunden. Was war geschehen? Die ARD hat das Neujahrskonzert aus Berlin übertragen – und kurz vor Schluss die Übertragung einfach mittendrin abgebrochen. Ein Trailer für Andy Borgs “Silvesterstadl” und der pünktliche Beginn von “Dinner for One” waren der ARD wichtiger, als Sir Simon Rattle und der ungarische Tanz von Brahms. Ob die ARD jetzt die berechtigte Kritik der Klassik-Fans wohl auch als Shitstorm bezeichen wird?

Als erster Mensch ist der Extremsportler Felix Baumgartner aus über 39 Kilometern Höhe gesprungen – und hat dabei eine Geschwindigkeit von 1342,87 km/h erreicht. Fünf bis sieben Jahre haben sich Baumgartner, sein Team und sein Sponsor Red Bull auf das 50 Millionen Euro teure Projekt vorbereitet. Der Sprung aus der Stratosphäre war ein Rekordsprung – in jeder Hinsicht.

Das Projekt hatte bereits in den klassischen Medien große Aufmerksamkeit bekommen, aber die Reaktionen im Social Web sprengten einfach alle Dimensionen. Baumgartners Stratosphärensprung war auf sämtlichen Social Media Plattformen das Thema schlechthin. Auf Youtube haben 8 Millionen Zuschauer den Live-Stream von Red Bull verfolgt – mehr als bei der Amtseinführung von Obama. Und die Bilder von Baumgartners Sprung und seiner Landung wurden in allen Netzwerken unzählige Male geteilt. Die Social Media Akademie hat die Aktivitäten im Social Web in einer Infografik gut dokumentiert.

Fazit: Aus reiner Marketingsicht hat Red Bull seine 50 Millionen gut investiert, denn mit klassischer Werbung hätte das Unternehmen niemals soviel Aufmerksamkeit bekommen. Und als Bonus werden Baumgartners Stratosphärensprung und sein Sponsor auch noch in jedem Jahresrückblick erwähnt. Das Projekt war aber auch ein Social Media Stunt, denn dieser Sprung hätte auch tödlich enden können – und zwar live vor einem Millionen Publikum.

Der Stratosphärensprung im Social Web

Bildnachweis: Die Infografik wurde von Stefanie Bamberg für die Social Media Akademie (SMA) angefertigt und steht unter Creative Commons Lizenz (CC BY-ND 3.0).