Social-Media-Debakel

Die ARD, der Shitstorm und das Silvester-Programm

von horchposten am 31. Dezember 2012 in Allgemein

Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland erlebte mal wieder einen Shitstorm. Behauptet zumindest die ARD – nachdem sie kritische Beiträge löschte und sich anschließend über wütende Reaktionen wunderte. Auslöser war Jörg Schönenborns Kommentar zur Kritik am neuen Rundfunkbeitrag. Reichlich dünnhäutig erklärte der WDR-Chefredakteur in seinem Kommentar, dass man als ARD-Mitarbeiter nach der Lektüre von Medienseiten beinahe zu Anti-Depressiva greifen möchte. Schönenborns simple Sicht: Mit der TV-Wirklichkeit hat die Kritik wenig zu tun. Um dann noch nachzulegen: “Viele Artikel funktionieren nach dem Motto: Ich nehme mir meine These und mache die Welt einfach passend”. Da wollen wir uns natürlich nicht einreihen und greifen einfach mal eine von Schönenborns eigenen Thesen auf:

“Der vom Bundesverfassungsgericht geprägte Begriff der Grundversorgung ist aktueller denn je. Zu dieser Grundversorgung gehört auch kulturelle Breite gerade in den Sparten, für die sich wenige interessieren. (…) All das stellt der Rundfunkbeitrag langfristig sicher. Das ist kein Freifahrschein – im Gegenteil. Wir werden mehr Rechenschaft ablegen müssen darüber, wie wir mit unserem Geld umgehen.”

Nun – auch die Grundversorgung mit dem TV-Klassiker “Dinner for One” auf diversen öffentlich-rechtlichen TV-Sendern sichergestellt. Allerdings noch mit GEZ-Gebühren. Für Silvester 2012 haben wir mal die Sendezeiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz herausgesucht:

11:35 Uhr – Das Erste
17:30
Uhr – HR (Hessische Version)
17:40
Uhr – NDR
18:00
Uhr – WDR
18:40
Uhr – HR (Hessische Version)
18:55
Uhr – Das Erste
19:00
Uhr – BR
19:00
Uhr – MDR
19:05
Uhr – rbb
19:05
Uhr – SF1 (Schweizer Version)
19:10
Uhr – HR
19:25
Uhr – SWR
19:40
Uhr – NDR
21:30
Uhr – WDR
23:30
Uhr – ORF 1
00:05
Uhr – BR

Ein Butler, eine Lady, ein Tigerfell und reichlich Alkohol auf allen Kanälen – zumindest die deutschen Fans von “Dinner for One” sind auch Silvester 2012 mehr als grundversorgt. Tatsächlich ist der 90. Geburtstag der alten Dame sogar die am häufigsten wiederholte Sendung der deutschen Fernsehgeschichte. Dazu kommt noch das Internetangebot des NDR. Der bietet eine Sonderseite, damit auch wirklich jeder zu jeder Zeit “Dinner for One” gucken kann. Ist das die Art von Grundversorgung und die kulturelle Breite, die Jörg Schönenborn meinte?

Offensichtlich kann man nicht nur Rundfunkbeiträge, sondern auch Sendezeit verschwenden. Wenn unser Geld solche Programmplanung langfristig sicherstellt, dann müssen vor allem wir Zuschauer zu Anti-Depressiva greifen. Oder wir verlangen nächstes Jahr auf den Internetseiten der ARD tatsächlich mal “Rechenschaft” darüber, wie mit den neuen Rundfunkbeiträgen umgegangen wird.

Wohl auch deswegen hat die ARD-Programmdirektion für die “Abteilung Zuschauerredaktion” die Stelle eines Social Media Managers ausgeschrieben. Es soll Facebook, Twitter und Google+ betreuen und mit seiner Kommunikationskompetenz die Rückmeldungen der Zuschauer moderieren, Diskussionsbeiträge liefern und Fragen beantworten. Natürlich wird er auch die Social-Media-Aktivitäten der ARD weiterentwickeln und sogenannte Social-Media-Kampagnen konzipieren und durchführen. Und dieser Social-Media-Tausendsassa soll das alles zusätzlich auch für einzelne TV-Sendungen und Serien machen. Ein echter Vollzeit-Job … allerdings nur in freier Mitarbeit.

Ein einziger Mann als freier Mitarbeiter für diesen Stress-Job? Man muß sich am Silvesterabend nicht im Bleigießen versuchen um für nächstes Jahr zu prognostizieren, dass die ARD mit dem Internet und dem “Rechenschaft ablegen” wieder hoffnungslos überfordert sein wird. Auch 2013 wird man bei der ARD die kritischen “Rückmeldungen” der Zuschauer und Zuhörer erneut als Shitstorm abtun. Wie war das noch: “The same procedure as last year, Miss Sophie?” – “The same procedure as every year, James”.

UPDATE: Kaum hat das neue Jahr begonnen, schon wird die ARD wieder kritisiert – diesmal von den Klassik-Freunden. Was war geschehen? Die ARD hat das Neujahrskonzert aus Berlin übertragen – und kurz vor Schluss die Übertragung einfach mittendrin abgebrochen. Ein Trailer für Andy Borgs “Silvesterstadl” und der pünktliche Beginn von “Dinner for One” waren der ARD wichtiger, als Sir Simon Rattle und der ungarische Tanz von Brahms. Ob die ARD jetzt die berechtigte Kritik der Klassik-Fans wohl auch als Shitstorm bezeichen wird?

Samsung macht Werbung für das iPhone 5

von horchposten am 20. September 2012 in Allgemein,iPhone News

Mit Social-Media-Aktionen ist das so eine Sache … Samsung hat beispielsweise mit einer Umfage unfreiwillig Werbung für das neue iPhone 5 gemacht. Bei Facebook hat die US-Tochter von Samsung Mobile gefragt: “If you could only take one electronic device on to a deserted island, what would it be?” Ergebnis: Tausende Facebook-Nutzer haben sich für das neue iPhone 5 entschieden! Eine klare Mehrheit für Apple.

Mit der Reaktion hätte man bei Samsung rechnen können, denn in den letzten Tagen hat Samsung auf einem Plakat das Galaxy S3 mit dem iPhone 5 verglichen. Das Problem bei der Aktion ist nur, dass Samsung sich den Vergleich etwas zu einfach gemacht und beim iPhone einige Punkte schlicht  ausgelassen hat. Die Apple-Fans waren verärgert und rächten sich in der Umfrage bei Samsung.

Bei Facebook startet Samsung Mobile jetzt eine Aktion nach der anderen und fragt leicht verzweifelt, warum die Kunden die koreanischen Smartphones mögen:

  • “FILL IN THE BLANK: I love my Galaxy phone because___________.”
  • “FILL IN THE BLANK: I love my Galaxy S III because _____________.”

Tja – die Beteiligung der Samsung-Kunden bleibt jedenfalls weiter hinter der Begeisterung der Apple-Fans zurück. Und den nächsten Social-Media-Gau kann man bei Samsung gleich fest einplanen, den zum morgigen Verkausstart des iPhone 5 planen die Koreaner wohl weitere Negativwerbung. Die entsprechenden Spots sollen schon gedreht worden sein.

Und wie reagiert Apple? In Cupertino lehnt man sich entspannt zurück und wartet auf Samsungs nächstes PR-Debakel.