Verfasst von horchposten am 16. Oktober 2012 um 1:40 Uhr
Vor einigen Jahren wurde bei FAZ.NET von Stefan Niggemeier und Peer Schader der kritische und unterhaltsame Fernsehblog ins Leben gerufen. Nach Niggemeiers Wechsel zu Spiegel Online führte Schader den Blog alleine weiter und schrieb über Fernsehsender und Sendungen, Castingshows und Dokusoaps, Product Placement und Schleichwerbung. Das ist bei den Lesern gut angekommen. Bei FAZ.NET hat man trotzdem beschlossen, dass der beliebte Fernsehblog jetzt eingestellt wird.
Diese Entscheidung wirkt besonders seltsam, wenn man sich mal die nackten Zahlen anschaut: Über 400 Beiträge mit 8158 Kommentaren sind in wenigen Jahren beim Fernsehblog zusammen gekommen. So erfolgreich sind unter den 26 FAZ-Blogs nur noch “Netzwirtschaft” (743 Beiträge und 3271 Kommentare), “Deus ex Machina” (213 Beiträge und 10242 Kommentare) und “Stützen der Gesellschaft” (450 Beiträge und 80942 Kommentare). Nicht nur so mancher FAZ-Journalist schreibt deutlich weniger, auch viele FAZ-Artikel bekommen wesentlich weniger Aufmerksamkeit. Und gerade bei FAZ.NET legt man großen Wert auf die “Multiplikatoren” und “Meinungsmacher” unter den Lesern – und schätzt auch die “qualitative Kraft” der Leser-Kommentare.
Wenn es beim Fernsehblog also weder an Beiträgen, noch an Lesern oder Aufmerksamkeit mangelte – warum wird dieser Blog dann eingestellt? Es liegt an den Kosten – laut Schader will FAZ.NET schlicht sparen. Das führt sogar dazu, dass die alten Texte von Niggemeier und Schader nur noch bis Ende Oktober im Fernsehblog abrufbar sind, dann sollen die Inhalte “depubliziert” werden. Hat man bei FAZ.NET tatsächlich kein Geld mehr, um die Speicherung von 407 Blogbeiträgen zu finanzieren? Das ist schlicht absurd.
Unter FAZ-Archiv.de kann man gut sehen, wie man sich in Frankfurt die Verwertung alter Texte vorstellt: 2,00 € für einen Artikel. Sieht so die Zukunft für den Fernsehblog aus? Alte Blogbeiträge für ein paar Euro als Ausdruck per Post oder als Download?
Was auch immer mit den alten Beiträgen des Fernsehblog geschieht, über das Fernsehprogramm wird bei der Frankfurter Allgemeinen natürlich weiter berichtet – von den Schöngeistern im Feuilleton. (Die alten TV-Kritiken aus der Print-Ausgabe findet man im Feuilleton von FAZ.NET – in der allgemeinen Medien-Rubrik .)
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sollte vielleicht mal bei den eigenen Autoren nachfragen, wie das heute mit den Medien und dem Internet so funktioniert. Roland Lindner könnte was dazu sagen, denn der schreibt bei FAZ.NET über Netzwirtschaft und Medienwandel … in einem Blog. Mal schauen, wie lange Lindner noch für den Frankfurter Verlag bloggen wird.
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